Sumi-e, Beppe Mokuza, Pittura, EnsoSlide thumbnail

Der japanische Begriffe, "Sumi“
bedeutet "schwarze Tinte“,
und "e" bedeutet „Malerei“

Sumi-e Beppe Mokuza bamboo

WAS IST SUMI-E?

Der japanische Begriffe, „Sumi“ bedeutet „schwarze Tinte“, und „e“ bedeutet „Malerei“. Es kennzeichnet eine Kunstform, in der die Objekte in schwarzer Tinte, bis in alle möglichen Graustufen, die man durch deren Verdünnung mit Wasser erreichen kann, gemalt werden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass jedes auf diese Art gemalte Objekt den Namen „Sumi-e“ verdient.

Echtes Sumi-e muss bestimmte typische Eigenschaften aufweisen, wie zum Beispiel die Nüchternheit und Natürlichkeit, die die Empfindungen des Betrachters direkt treffen. Damit ein Bild lebendig wirkt, müssen alle seine Bestandteile lebendig sein. Diese Art der Malerei bedarf keines vorbereitenden Entwurfes, wie er in der traditionellen Malerei üblich ist. Es wird jede überflüssige Form und jedes überflüssiges Detail weggelassen.

Die Kunst der Malerei wurde von Zen-Mönchen in Japan eingeführt und hatte einen schnellen Erfolg, weil bei dieser Art des Malens – so wie in der Praxis des Zen – die Wirklichkeit auf ihre reinste und einfachste Form reduziert wird. Die Überarbeitungen, die „Ergänzungen“, die Ausschmückungen eines Bildes führen in Wahrheit nicht zu einer Verschönerung des Kunstwerkes, sondern führen nur zu einer Verschleierung der wirklichen Wahrheit und der wahren Natur. Es ist wie beim Kochen einer Speise: Wenn ihr zu viele Gewürze benutzt, werdet ihr nicht das schmecken, was ihr tatsächlich zubereitet.

Es ist wie beim Zen, wenige Worte sind ausreichen, um den Sinn der stundenlangen Meditation zu erklären. Im Sumi-e sind nur wenige Pinselstriche mit schwarzer Tinte auf einem weißen Blatt nötig, um das komplexeste Thema darzustellen. Man muss also lernen, das Wesentliche zu erfassen, also die Wirklichkeit, so wie sie ist.

Betrachten wir was geschieht, wenn wir mit der Technik des Sumi-e einen Bambus malen wollen: Man setzt sich hin (man kann dabei auch stehen), hält den Rücken gerade, legt ein Blatt Papier vor sich und konzentriert sich auf das Blatt. Während man in Ruhe und natürlich atmet, lässt man alle Gedanken los, so dass schließlich (in unseren Gedanken) nur noch das weiße Blatt bleibt. Dann erlaubt man sich die Vorstellung des zu malenden Objekts. Um den Bambus zu malen, müssen wir die Beschaffenheit fühlen, man sieht den Stamm, die Äste; man hört das Rauschen der leichten Blätter, die von einer Brise oder dem Wind bewegt werden, oder nass und schwer vom Regen sind.

All das und mehr, füllt unseren Geist, so dass man selbst zum Bambus wird. Es ist unbeschreiblich. Dann nimmt man den Pinsel und lässt die Hand in natürlicher Weise und ohne Zwang wirken. Bei diesem Vorgang gibt es weder Gedanken an die Technik noch an irgendein Ergebnis. Es gibt keinen gedanklichen Zwang, ein gutes Bild zu malen. Der Bambus wird tatsächlich aus dem Nichts erschaffen, nicht einfach kopiert.

Auf dem Reispapier ist nur ein Pinselstrich für jeden Abschnitt möglich; jede Nachbesserung ist sofort sichtbar. Der gesamte Gedankenapparat, der das Bild (und das Leben) verkompliziert, wird aufgegeben. So verstehen wir, dass die Gedanken über das Leben nicht das Leben selbst sind. Die Gedanken über das Zen, sind nicht das Zen, sondern lediglich Gedanken… Nach und nach wird der Bambus Gestalt annehmen und somit erhalten wir eine unzweifelhafte, lebendige Darstellung.

Die Art des Malens ist vollkommen, sie bezieht den ganzen Körper mit ein. Sie ist nicht einfach, weshalb das Arbeiten mit einem Lehrer unentbehrlich ist, genauso wie die unendliche Wiederholung von Objekten oder deren Bestandteilen. Der Geist gewinnt durch die ständige Wiederholung immer mehr an Präzision und Sensibilität. Es ist unumgänglich, dass zu Beginn die malerischen Darstellungen nüchtern wirken und keine Natürlichkeit aufweisen. Eventuell wünscht man sich mehr Schönheit in der eigenen Arbeit, die allerdings sollte nicht zu der Obsession werden, ein perfekt Praktizierender des Sumi-e werden zu müssen. Denn so verhindert man jeden Fortschritt. Wenn man weiterhin in Begriffen wie „gut“ und „schlecht“ denkt, ist man weit vom wahren Geist des Sumi-e entfernt.

So wie im Zen muss der Geist frei von jeglichem Begehren nach Erfolg oder Zielen sein. So werdet ihr möglicherweise früher als erwartet in der Lage sein, alles das zu malen, was ihr mögt, weil dann jedes Detail einer Landschaft zu einem Widerschein des wirklichen Lebens selbst und der Natur wird. Ihr werdet feststellen können, dass ihr besser atmet, eure Haltung aufrechter und „edler“ ist und sich auch euer Allgemeinzustand, einschließlich des psychischen Gleichgewichts bessern wird. Zazen und Sumi-e gleichen sich: Zazen ist nicht nur das Erlernen einer Meditationstechnik, es bewirkt einen direkten Kontakt mit dem Ursprung von allem, der „Buddha Natur“. Auf dieselbe Weise geht Sumi-e über eine bloße Maltechnik hinaus.

MATERIALEN

Sumi-e, Beppe Mokuza, Pennelli

Alle Gedanken verschwinden, am Ende bliebt nur ein weißes
Blatt Papier in unserem Geist

REISPAPIER

Reispapier ist in vielen verschiedenen Stärken und Beschaffenheit erhältlich. Für den Anfang ist ein Papier mit geringer Absorption und von normaler Grösse (24.5 x 33 cm) empfehlenswert.

 

PINSEL

Sie sind unterschiedlich bezüglich Form, Dicke, Länge und Borsten. Sie können jedoch allgemein bezüglich der Grösse, in grosse, mittlere und kleine, sowie bezüglich der Borsten in lange, mittlere und kurze Pinsel eingeteilt werden. Für Anfänger empfehlen sich verschieden Pinsel mit starren und weichen Borsten. Diese sind am einfachsten zu handhaben und sie halten die Tinte gut (mittlere Länge der Borsten 4,5 bis 5,5 cm). Nach dem Beenden von Sumi-e müssen die Pinsel sofort mir Wasser gereinigt, danach getrocknet und an einem trockenen Ort aufgehängt werden.

TUSCHE (CHINA)

Die Tusche ist ein, meistens, rechteckiger Tuscheblock. Sie wird aus Russ, Pinienhaaren, Rapsöl und aus Tierhäuten gewonnenem Kleister gepresst. Diese Tuscheblöcke werden mit Wasser aufgelöst indem man sie, auf einem eigens dafür bestimmten Stein (Suzuri), reibt.

 

TUSCHENSTEIN / REIBSTEIN (SUZURI)

Der Tuschestein ist meist rechteckig und hat zwei verschieden tiefe Vertiefungen, wie ein Gefäß. Er besteht aus einer Fläche auf der das Sumi zerrieben wird, und ein Bereich, der das Wasser beinhaltet. Um die Tusche zu zubereiten, wird das Wasserreservoir zu zirka 2/3 mit Wasser gefüllt, der Tuscheblock wird eingetaucht und die Stein-Oberfläche wird benetzt. Dann beginnt man mit einer kreisförmigen Bewegung zu reiben, entschlossen, stetig und kraftvoll, ohne jedoch übermäßig Druck auszuüben. Immer wieder nimmt man erneut Wasser aus dem Reservoir auf, während des Reibens.

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